Da war doch was

Weihnachten 2016, Jestädt
Ach ja. Genau. Weihnachten. Die Zeit zieht weiter, die ersten Weihnachtsgeschenkumtausch-Aktionen laufen vermutlich schon an, irgendwo hat auch längst die Produktion von Osterartikeln begonnen, die Welt ringt um Nachrichten – aber wer möchte, kann die Atmosphäre und die Stimmung von Weihnachten nachklingen lassen.
Und sowie die ersten Liedstrophen ertönen – oder die ersten Bibeltexte gespochen werden: Es begab sich aber zu der Zeit. dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Stadthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seiner Stadt.
Zu diesem Zeitpunkt, wo sich auch Josef aus Galiläa mit seiner Frau Maria, seinem vertrauten Weibe die zudem schwanger war, aufmacht... – spätestens hier sind wir alle auch angekommen. Angekommen in der Weihnachtsgeschichte um die Heilige Familie, um die fehlende Herberge und dem einfachen Stall, um die Engel und Hirten, um die Weisen aus dem Morgenland, um König Herodes – und um ein Kind, das mehr als nur Geschichte ist. Es ist der Heiland, welcher Christus ist, der Herr, in der Stadt Davids. Und dieses Kind wird zum Symbol einer ganzen Welt- und Kulturgeschichte. Ein Ewig-Vater. Ein Friedefürst. Ein Mitler zwischen den Menschen. Er wird
Kranke heilen und Blinde sehend machen. Er wird Brote vermehren und Wasser in Wein verwandeln. Er wird Händler und Falschmünzer aus dem Tempel jagen. Und Sündern die Füße salben. Und er wird am Kreuz sterben und die Sünden der Menschen (aller Zeiten) auf sich nehmen.

Amelie, Merle, Jessica (die 3 Weisen); Leonie, Jette (Josef und Maria); Laura (Engel); Zoe, Alva, Luisa, Zoe, Anna-Lena (die Engelschar) – Phil, Lasse und Jannis (die Hirten) – Jonas (Joakim, Diener des Königs) – Noah (als Joshua – Lucas (als König Herodes) – Jannika und Sajana (als Priester) – Samantha (als Mosche) und Emely (als Ramses) – sie spielten die Weihnachts-geschichte. Der Evangelist, der die biblische Hinführung zu den einzelnen Spiel-Szenen sprach, war natürlich Pfrin Jutta Groß. Sie alle sorgten für die "Bilder in unserem Kopf", – für die vertrauten und bekannten Bilder von Jugend an. Und das macht dieses Krippenspiel immer wieder zu etwas Besonderem.
Larissa Hergert saß an der Orgel und trug die weihnachtlichen Klänge hinein ins Kirchenschiff. In der Christmette spielte Sonja Scharfe aus Grebendorf, begleitet von Marc Iffland (Sologesang) und der Flötengruppe Jestädt um Marlene Gimpel. Die Christmette endete mit einem Meer aus Kerzenlichtern – hinein in die dunkle Weihnacht.  

Von Bild zu Bild, ein Abend im Paul-Gerhardt-Haus

12. Dezember 2016

 

Ein Foto kann man so sehen oder so sehen. Es kann quietschbunt sein oder nahezu einfarbig. Es kann verschwommen sein oder detailreich. Letztendlich kommt es auf den Blickwinkel an, und auf den vielleicht richtigen Augenblick. Und dann wird selbst ein scheinbar banales und alltägliches Bild zum Aha-Erlebnis. So gesehen! – war die Diashow im Paul-Gerhardt-Haus in Jestädt am heutigen Abend wie Heimatkunde, Naturkunde, ein Blick in die Jahreszeiten, und ein Farben-rausch(en) – eigentlich alles in einem. Josef Stephan, ein Jestädter und zu dem ein passionierter
Fotograph mit dem besonderen Händchen, zeigte einen Bilderzyklus aus rund 250 Bildwerken.

 

Der Abend war nicht nur wegen der schönen Bilder ein Erlebnis, es war auch ein Treffen der Sprachen untereinander. Die afghanische Familie aus dem Schloss war gekommen und so wechselten die Bildbeschreibungen manchmal zwischen Deutsch, Englisch, Paschto? oder doch
Persisch? In Afghanistan werden etwa 49 Sprachen und weit über 200 verschiedene Dialekte ge-sprochen. Da sagt ein Bild manchmal mehr als die Sprache, oder tausend Worte. Aber – unsere Afghanen können teilweise schon richtig gut Deutsch. Das "kann" man auch einmal erwähnen. So war der heutige Abend ein kunterbuntes Miteinander.  

Adventsandachten in Jestädt

 

1. Adventsandacht

1. Dezember 2016

Mit den Adventsandachten stimmen wir uns langsam auf Weihnachten ein. Die Kirche ist mit Lichtern geschmückt. Am Adventskranz brennt die erste Kerze. Und über dem Chorraum hängt der Stern, der uns in den nächsten Wochen leiten soll.

Mit der Einstimmung hinein in den Advent ist es aber gar nicht so einfach. Noch sind wir ganz vom Alltag bestimmt, von den Ereignissen weltweit, aber auch von unseren eigenen Geschäftigkeiten wie Plätzchenbacken, den Einkäufen für die kommenden Tage, oder vom fast übersprudelnden Hin- und Her der Weihnachtsmärkte und Adventsfeiern rundherum. Die Supermärkte hatten mit dem Weihnachtsgeschäft schon teils im Oktober begonnen, da war man ja eigentlich gedanklich noch ganz im Sommer.

 

Die Adventsandachten in unseren Kirchen sind eine schöne Möglichkeit zur Ruhe zu kommen. Die Lichter verzaubern uns, die Lieder tragen uns hinein in eine weihnachtliche Vorfreude, und die biblischen Geschichten künden vom Ereignis – die allen Menschen widerfahren wird. Ein Kind wird uns geboren, ein Kind wird uns geschenkt und auf seinen Schultern wird ruhen die Herrschaft. Advent – die Zeit des Wartens und die Vorbereitung auf die Ankunft des Gottessohnes.

 

Nach der Andacht haben wir hier in Jestädt noch eine Weile zusammengestanden. Tee getrunken und Plätzchen gegessen, und von der Advents- und Weihnachtszeit aus Kindertagen gesprochen – die natürlich ganz anders war als heute. Natürlich größer und weihnachtlicher und geheim-nisvoller und aufregender und stiller – sie war anders, aus Kindersicht eben. Pfarrerin Jutta Groß hat die Andacht gehalten, und an der Orgel hat uns Frau Werner-Balcke aus Reichensachsen als Organistin begleitet. Ein sehr schönes Orgelspiel.

 

2. Adventsandacht

8. Dezember 2016
Die zweite Kerze brennt. In der Kirche ist es kuschelig warm. So kuschelig eben, wie man es sich bei 7 Grad vorstellen kann. Aber das Lichterspiel innen wie außen vor der Kirche, die Advents-lieder, das Orgelspiel, und die Gedanken zu Advent- und Weihnachten, lassen doch immer mehr Weihnachten näherrücken. Und den Schnee muss man sich denken.

Jutta Groß las eine Geschichte vor. Geschichten gehören ganz einfach zu Weihnachten, und das Weihnachtsfest selber ist eine einzige große Geschichte. Boote auf dem Wasser, hieß wohl die Geschichte, eine Geschichte vom Wünschen in der Weihnachtszeit.
Eine Familie bereitet sich auf Heilig Abend vor. Und während in der Stube die Eltern den Weih-nachtsbaum schmücken, sitzen die Kinder in ihren Zimmern und basteln ein Segelschiff. Ein schönes Segelschiff. Ein Schiff mit mächtigen Segeln, starken Außenwänden und einer sicheren Reeling rundherum. Und in der Mitte eine Kerze. Im Schiffsinneren, im Bauch des Segelschiffes, da ist Platz für einen Wunschzettel in der Größe einer Streichholzschachtel. Das ist nicht wirklich viel Platz, aber es ist genügend Platz.
Der Heiligabend ist so schön wie jeder Heiligabend immer ist. Man geht in die Kirche. Betet und singt. Und erwartet das Christkind. So auch in diesem Jahr. Anschließend gehen die Kinder mit ihrer Mutter über die verschneiten Wiesen Richtung Fluss. Die Taschenlampe schafft es gerade mal, die paar Meter vor ihren Füßen zu erhellen, so dunkel ist helle Nacht. Aber ein bisschen kennen sie den Weg, und so können die Kinder bald ihre Schiffe ins Wasser lassen. Schnell und behände tragen die Wellen die kleinen Schiffe fort und die Dunkelheit schluckt das Licht der Kerzen, bis sie nicht mehr zu sehen sind.

 

So oder so ähnlich war die Geschichte der Boote auf dem Wasser. Welche Wünsche die Kinder auf den Zettel geschrieben haben, weiß ich nicht. Es können eigene Geschenkwünsche gewesen sein, oder Wünsche des Friedens, die sie geschrieben und mit den Wellen in die weite Welt geschickt haben. Und das Kerzenlicht vielleicht als verbindendes Zeichen der Hoffnung.
Nach der Andacht gab es wieder Tee und Plätzchen, und die Gespräche drehten sich um ganz banale oder eigene Geschichten, angefangen vom gebrochenen Fuß über die wieder teurer gewordene Tageszeitung – oder von erlebten Kuriositäten aus unmittelbarer Nähe und Nachbar-
schaft. 

 

3. Adventsandacht
15.Dezember 2016
Die dritte Kerze brennt. Nun kommt es, das Weihnachtsfest – aber kommt er denn auch? Er, der Messias, der von Gott Gesandte, der Retter der Welt?, seit 2000 Jahren versprochen?

Pfr. Jutta Groß schweigt einen Moment wie zum Luftholen, und fragt dann in die Gemeinde hinein: "Wie wäre das wohl, wenn plötzlich Gott an ihrer Haustür klingeln würde?"

 

Am Morgen des 24. klingelt Gott an der Tür von Frau Schmolka. "Ah, das kommt mir aber unge-legen", stöhnt sie, am Heiligen Morgen, da besucht man niemanden mehr, ich stopfe gerade die Pute. Gott scheint das nicht zu wissen. Er tritt ein und steuert auf Frau Schmolka zu.

"Was – was gibt es denn?", fragt sie und ringt die Hände, es ist ist schon fast elf und die Kinder kommen um zwei. Ich suche eine Unterkunft für einen Jungen und seine Eltern!
"Ach" – bei mir, hier, in meinem Wohnzimmer, fremde Leute? Was ist, wenn die an die Sparbücher gehen, oder wer weiß, ob sie überhaupt sauber sind. Das wäre es noch. Läuse zu Weihnachten. Außerdem kenne ich die doch gar nicht. Können die denn nicht zum Sozialamt...? oder zur Bahnhofsmission?, oder – es gibt doch Hotels, wir haben ganz schöne Hotels hier.
"Alles voll", sagt Gott. Wir haben Weihnachten.
"Ja", das hätten sie sich früher überlegen müssen.
"Sie mussten fliehen."
"Schlimm, schlimm, was es in der Welt alles gibt. Frau Schmolka seufzt und schielt in die Küche. Wenn sie doch schon mal das Wasser für die Klöse... Gott lässt nicht locker. "Der Sohn bekam Morddrohungen."
"Na, dann wird er sicher etwas ausgefressen haben – ich, ich habe noch nie eine Morddrohung erhalten. "Er ist ein Säugling!"
"Na, dann sind es eben die Eltern." Von nichts kommt nichts. Und ordentliche Leute haben sich nichts vorzuwerfen, und dass Unschuldige einfach mal so verfolgt werden, das kann ihr niemand erzählen. Nicht einmal Gott.
"Nein, das passt jetzt überhaupt nicht und die Kinder kommen gleich und wir wollen Weihnachten feiern", sagt Frau Schmolka. "Dass passt ja".
"Nein nein – Weihnachten will man keine Fremden im Haus haben."
Gott seufzt sehr tief. "Das – das sagen die Leute seit 2000 Jahren schon."
"Na siehst du!" Frau Schmolka hat es noch nie eingesehen, warum man Dinge ändern muss, die sich offenbar bewährt haben. Wenn jeder in seinen eigenen vier Wänden bleiben würde, dann wäre allen geholfen. Und jetzt soll sie die Welt retten?, nachdem sie 60 Jahre gespart hat um im Alter ein bisschen Wohlstand zu haben, sie? – während die anderen nichts tun? Das ist ja wirklich ein bisschen viel verlangt – oder? Manchmal scheint es ihr, als habe Gott den Blick für die Realität etwas verloren. "Tut mir leid", sagt sie. Dann geleitet sie Gott freundlich aber bestimmt hinaus.

 

Eigentlich ist Frau Schmolka sogar sauer auf Gott. Schuldet er ihr nicht etwas? Sie hat getan, gemacht, geputzt und geschuftet, ordentlich immer die Steuern bezahlt – und jetzt so eine Bitte? Kein Dank. Keine Belohnung. Ja nicht einmal ein kleines Wunder! Man könnte gerade meinen, der Herr – sucht sich wohl den bequemsten Weg, lässt seine Schäfchen für sich arbeiten statt selber mal aufzuräumen. Und mal ganz im Ernst, wo greift denn Gott heute schon noch ein?

 

Am Morgen hatte Gott an der Tür von Frau Schmolka geklingelt.

 

4. Advent, Sonntag
18. Dezember 2016
Nun brennt die vierte Kerze. Damit endet die Vorbereitungszeit auf Weihnachten. Nun kommt der Weihnachtsbaum als Symbol des Lebens. Und der Gottesdienst, in Begleitung des Kirchenchores mit Marlene Gimpel, nimmt schon die Einstimmung auf das Weihnachtsfest voraus und lässt uns erahnen, welche Freude uns der Heilige Abend bereithält: Die Geburt des Jesuskind in einer Krippe im Stall zu Bethlehem. Dem Erlöser der Welt.

 

2.10.2016

Erntedank-Gottesdienst in Jestädt

 

Ein Leiterwagen mit einem Sack Getreide. Mit Rüben. Mit einer Weinranke. Oder ein Wagenrad mit Äpfeln, Birnen, Kartoffeln, Kastanien und Nüssen – daneben Kürbisse, Möhren, Zwiebeln, Kohl, Getreideähren und Mais. Oder auf dem Taufstein eine Erntekrone, und auf dem Altar Brot und Wein und ein Strauss bunter Gartenblumen. Erntedankgottesdienst eben – mit Abendmahl.

Und dann ein Paukenschlag und was für ein Paukenschlag, und nicht gerade leise – die Predigt.

"Warum feiern wir überhaupt noch Erntedank?", fragt Pfarrerin Jutta Groß. Niemand muss heute Hunger leiden oder fast jedenfalls, niemand muss heute danken für eine gute Ernte aus dem Garten oder vom Feld, wer muss heute noch vom Ertrag seiner eigenen Hände Arbeit leben, bei Wind und Wetter raus, außer diejenigen, die noch wirklich Landwirtschaft betreiben? Die meisten von uns sind weit nach dem Krieg großgeworden. Sie kennen keine Entbehrungen mehr. Keine Hungersnot. Keine Dürrekatastrophen, und wenn, dann sind sie weit weg. Sie – wir alle, wir gehen in den Supermarkt und kaufen Erdbeeren im Dezember, Trauben aus Griechenland, Tomaten aus
Spanien, und das alles zu jeder Zeit und zu einem Spottpreis.
Produkte des täglichen Bedarfs gibt es in Hülle und Fülle. Obst, Gemüse, Kartoffeln, Brot, Käse,
Wurst und und und – alles in rauhen Mengen und glatt und schön und ohne Makel und ohne Schmutz und wie eben aus der Werbung, und wohl verpackt. Und was nicht der Norm entspricht, wird aussortiert und weit vor dem Verfallsdatum weggeschmissen. Ganze Container füllen die Reste unserer Maßlosigkeit und "freigegeben zur Vernichtung". Wir zerstören, was uns nicht gefällt – wir beuten Gottes Erde aus ohne Skrupel, roden und verbrennen und reißen aus, damit der Gewinn stimmt – und wer hungert und dürstet... hat Pech gehabt.

Ernte sei Dank.

Und wir? Wir selber? In unseren Familien, in unseren vier Wänden, in unserem Miteinander? – was tun wir? Wir predigen Bio-Wasser und saufen Wein! 18 Millionen Tonnen vernichtete Lebensmittel (Stand 2015) und Tendenz steigend. Lebensmittelketten wie Aldi, Edeka, Lidl – schließen sich zu Konzernen zusammen, damit ihr Leben noch profitabler wird mit maximaler Gewinnausschüttung bei immer weniger Personal und Öffnungszeiten bis 22 Uhr und darüber hinaus. Und was der Markt nicht mehr hergibt, besorgen Online-Shops rund um die Uhr mit Bestell-Aps, wenns sein muss. Und wer eine Kundenkarte einsetzt, kann sicher sein, dass auch der Supermarkt weiß: was-wann-um welche Uhrzeit-wer-wieviel-gekauft-hat. Und natürlich gibt es 5 Euro zurück, ab – einem bestimmten Bestellwert. Toll.

Paulus sagt: "Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb" – damit meint er nicht mit Spaß zu spenden, sondern ohne Zwang und mit gütigem Herzen. "Und wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten, und wer da sät im Segen, wird auch ernten im Segen" – also, eine reichliche Aussaat wird sich lohnen, wenn auch nicht in Heller und Pfennig, aber Gottes Segen wird zurückfließen. "Und wo gern und großzügig gegeben wird, da wächst die Lust zum Glauben" – es ist also das Mitein-

ander. dass uns als Gemeinde stärkt und beflügelt. Auch wer wenig hat und nicht viel geben kann, ist bei Gott willkommen. Es geht nicht um unsere Leistung, sondern um das verborgene Wirken Gottes in der Natur. So sagt es Paulus.

Ernte sei Dank. Und Dank allen Gebern und Spendern.

Rad+Fun 2016

 

Während in Heldra der Eröffnungsgottesdienst zu Rad+Fun stattfand, feierten die Jestädter eben-

falls einen Gottesdienst. Der Gesangverein Germania, unter der Leitung von Hanna Eichstädt-Schwehn, sang zu Beginn und am Ende des Gottesdienstes.

Musik und Gesang waren auch das Thema der heutigen Predigt zu Rad+Fun. Pfarrerin Jutta Groß zitierte aus "Atemlos – von Helene Fischer" – und umschrieb die Vielseitigkeit dieses kleinen und facettenreichen Wortes. Atemlos durch die Nacht. Atemlos im Taumel der Liebe. Atemlos vor Erstaunen, Entsetzen, Fassungslosigkeit, Rührung, Wut oder Zorn. Aber auch vor Anstrengung, vor Begeisterung – das Wort ist sicher sehr gebeutelt und doch umschreibt es alle Bereiche unseres Lebens.
Gott gab uns Atem, damit wir leben. Er gab uns Augen, dass wir uns sehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn. Dieses Lied von Fritz Baltruweit und Eckart Bücken drückt nicht nur die Einmaligkeit im Wirken Gottes aus, es macht uns auch regelrecht "atemlos" im Hinblick auf die Ereignisse der letzten Tage und Wochen. Der bewaffnete Anschlag in Nizza. Der Putschversuch in der Türkei. Die Gefahren weltweit auf unserer Erde... – wo wir... auf ihr die Zeit bestehen.

 

Der Atem heute soll für jeden Radler reichen, wohlbehalten und sicher ans Ziel zu kommen. Und so starteten die Radler in Jestädt um Stempel, Urkunde und Anstecker – und mit viel Spaß am Radeln zwischen den Gemeinden Meinhards, Großtöpfer und Wanfried.    

Ein kleines Dorf feiert riesengroß – 725 Jahre Motzenrode.
Es mag ein kleines Dorf sein. Kein Autobahnanschluss haben. Keinen Flughafen. Kein schnelles Internet. Dafür aber ein großes weiches und weites Herz für 725 Jahre.
Und so feiert Motzenrode dieses Ereigniss. Bunt. Laut. Leise. Mit viel Geschichte. Mit vielen kleinen und großen Ideen. Mit vielen Freunden und Verwandten und mit den Nachbarn weit über die Ortsgrenzen hinaus.

Am 6. Juni zog ein Festumzug durch Motzenrode, der vermutlich länger als das Dorf war. Und unter den Umzüglern auch ein Trupp Kirchenmänner- und Frauen, unter ihnen Pfarrerin Jutta Groß – mit Leiterwagen, Schildern und dem Nachbau der Motzenroder Kirche, die übrigens Wilhelm Heller (Pochmühle) liebevoll gebaut hat.
Die Ev. Kirchengemeinden Meinhards feiern das Luther-Jubiläum mit verschiedenen Events an verschiedenen Orten, u. a. am 24. Juli mit einer Sternwanderung aller umliegenden Gemeinden  nach Motzenrode. Und dieser Trupp Kirchenmänner- und Frauen hat dafür hier schon einmal geworben.

Weitere Informationen zum Umzug Motzenrodes 725 Jahrfeier finden sich im Netz unter werra-rundschau.de, einem Beitrag von Celina Kaiser.

Silberne Konfirmation in Jestädt

22. Mai 2016

 

"Ihr seid das Salz der Erde" und "Ihr seid das Licht der Welt" (Mat. 5, 13-16).
Salz und Licht sind vielleicht die wichtigsten Bausteine unseres Lebens. Ein Essen ohne Salz wäre – fade und geschmacklos. Ohne Kraft. Ohne Würze. Und ohne das Licht im Leben – wären wir orientierunglos. Wir könnten nichts sehen, keinen Weg finden, keine Gefahren erkennen, wir stünden im Dunkeln. Mit dem Glauben verhält es sich genauso.
Im Glauben leben und handeln, sich engagieren, sich einbringen, Visionen haben, Träume – und dabei andere Menschen einbeziehen und mitnehmen, das würzt das Leben. Das gibt Kraft. Das stärkt. Das erhellt die Welt. Im Großen wie auch im Kleinen.

 

Heute haben die Jahrgänge 1990-1991 ihrer Konfirmation vor 25 Jahren gedacht. Eingesegnet von Pfarrerin Jutta Groß in der Kirche Jestädt. 25 Jahre, so Pfarrerin Jutta Groß in ihrer Predigt, sind ein guter Moment danach zu fragen: wie ist mein Leben bisher verlaufen. Haben sich meine Pläne und Träume verwirklicht. Was ist mir gelungen. Was war verbindend und was trennend. Und wo war Gott in all der Zeit? Mein Glaube?
Die Antwort darauf wird ein jeder selber für sich suchen müssen. Ein Patentrezept auf ein Leben "mit Gott und in Gott und als Christ zu leben" gibt es nicht. Aber wenn man sich so umschaut unter den "Silbernen Konfirmanden", dann sieht das doch alles gar nicht so schlecht aus. Seid das Salz der Erde – und das Licht der Welt. Und dann sehen wir uns in 25 Jahren wieder.
Mit dem gemeinsamen Abendmahl, mit Gebet, Gesang und Segen, endete ein Erinnerungsgottes-

dienst, der doch mehr war als nur ein Gottesdienst.

Gottesdienst zu Himmelfahrt in Großtöpfer
05. Mai 2016
Großtöpfer, ein beschaulicher kleiner Ort im Tal der Frieda – vielleicht knapp 200 Einwohner – zwei Kirchen (evangelisch wie auch katholisch) – Ortsteil von Geismar und im südlichen Eichsfeld gelegen – hier haben wir Himmelfahrt gefeiert.

Die Kirchengemeinde freute sich über ein schönes volles Gotteshaus. Das versprach schon einmal einen gewaltigen Gesang mit kräftigen Stimmen und vollem Klang. Pfarrer Johannes Brehm begrüßte alle Gottesdienstteilnehmer, dankte gleichsam den vielen Helfern für die Gestaltung des heutigen Tages – und wünschte uns allen Gottes Segen. Das Himmelfahrtsfest, ein Zusammen-

wirken der beiden Kirchengemeinden Frieda und Großtöpfer – bereits zum 15ten-Mal?... jedenfalls
schon ganz häufig und an der Nahtstelle deutsch-deutscher Teilung. Der Glaube kennt Grenzen, aber er kann auch Grenzen überwinden. Wie ist Himmelfahrt zu verstehen, fragte daher Pfarrer Rainer Koch (Frieda) in seiner Predigt.

Der Posaunenchor Großtöpfer und der Männergesangverein Frieda/Grebendorf umrahmten den Gottesdienst. Und an der Orgel begleitete Ulrike Büchel den Kirchengesang. Ein wahrlich kräftiger Gesang, vom Kirchenschiff bis hinauf auf die Empore des kleinen Gotteshauses.
Vor der Kirche traf sich dann anschließend die Himmelfahrtsgemeinde bei Leckereien vom Grill, mit Getränken und langen Gesprächen – und die Sonne schien, die Wolken tummelten sich wie auf Postkarten, nur der Wind wehte gelegentlich frisch auf. Aber schön war es.

Platz geschaffen für Dies und Das

Wenn sich hier augenscheinlich nicht immer etwas tut, so laufen viele kleine Geschichten den-

noch im Hintergrund. So ist z. B. der nächste Gemeinebrief fertig und gedruckt auch schon und wird in den Tagen vor Pfingsten verteilt.

Online ist der GemBrief etwas früher lesbar, wer will.

 

Die nächsten Lutherprojekte (Pfingstmontag in Frieda, und die Sternwanderung nach Motzenrode) sind von der Planung her nahezu fertig. Kleinigkeiten und Feinheiten gibt es noch. Auch der August und Septembertermin ist schon fest in den Planungsgesprächen. Also man sieht auch hier – Luther bewegt uns ziemlich heftig.

 

Kinderfest in Jestädt steht im Gottesdienst-Plan.

Für Grebendorf hat sich ein bekanntes Bläserquartett angekündigt. Das wird im Juni sein.

Rad + Fun am 17. Juli mit einem Auftakt-Gottesdienst auf dem Mehrgenerationenplatz in Jestädt. Neben dem Anger.

Und alle Informationen und ausführlichen Berichte auch im Gemeindebrief.

Konfirmationsfeier in Jestädt

3. April 2016
Die Konfirmation ist immer ein bewegender Moment für alle. Für die die konfirmiert werden. Für die Eltern, die Familien und die Paten. Für die Gemeinde. Und für die Pfarrerin oder den Pfarrer. Was bleibt von all den Bemühungen, den Glauben zu vermitteln und – lebbar – werden zu lassen.

Heute haben fünf junge Menschen ihr Ja-Wort zum Glauben vor Gott und der Gemeinde gegeben. Spuren des Glaubens – so wie sie vor dem Taufstein zu sehen waren. Spuren, von denen heute noch keiner sagen kann, wo sie einmal hinführen werden.

 

Unser Leben ist derzeit voller Spuren. Kreuz und quer. Vor und zurück. Verwirrend. Suchend. Bleibend. Standfest. Manche Spuren werden sich verlieren um später wieder aufzutauchen oder auch ganz versanden. Wer weiß das schon.
In Gott geht aber keine Spur verloren. Im Glauben kann sie sich vertiefen, verfestigen, sie kann Halt bieten, führen und Orientierung geben. Und sie kann trösten. Wünschen wir unseren fünf  Konfirmierten "Paulina, Lilli, Dana, Celina und Thomas" – einen sicheren Schritt und starke Spuren
in ihrem Leben, und für ihre Zukunft.

  

Ostermontag, 28. März 2016

Wir haben Ostern gefeiert
Die Osterzeit und das Osterfest haben viele Gesichter. "Ich wünsche dir schöne Ostern oder ein-

fach nur Frohe Ostern", – das ist der Satz dieser Ostertage. Gesagt. Getan. Aus einem Reflex
heraus, aus einer erlernten und anerzogenen Geste heraus, oder in Absicht eines tieferen Wunsches. Freie Tage oder gar Urlaubstage von Karfreitag bis Ostermontag. Und – würde man vielleicht auf der Straße jemanden fragen, was wir denn zu Ostern eigentlich feiern...

Ostern – hat viele Gesichter.
Freut euch über den auferstandenen Herrn. Er hat den Tod besiegt. Der Tod hat keine Macht mehr. Durch seine Auferstehung hat er uns das Leben neu geschaffen. Darum jubelt der Erdkreis in (österlicher) Freude. Halleluja. Und als Zeichen dieser Freude haben wir unsere Osterkreuz auch in diesem Jahr wieder mit Blumen und Zweigen geschmückt.
Ostern – hat viele Gesichter.
Terror, Gewalt, Tote und Verletzte – die Freude über das Leben ist schwer zu fassen angesichts dieser vielen bestürzenden Nachrichten. Für Christen gleichsam, wie für Juden, Moslems und für alle Religionen dieser Welt.
Ostern – hat viele Gesichter.
In der sogenannten Alten Kirche war Ostern der einzige Tauftermin. Ostern mit einer Taufe zu verbinden, macht das Osterfest zu einem besonderen Tag in zweierlei Hinsicht: wir feiern Ostern – und wir haben einen kleinen Erdenbürger getauft, Paul Wicke. Er hat seine Taufe zwar ein biss-

chen verschlafen und verträumt, aber der Friede Gottes ruht auf ihm wie auf der gesamten österlichen Gemeinde.

13.3.2016

Vorstellungsgottesdienst der Konfirmandengruppen
Die Konfirmandengruppen aus Grebendorf, Neuerode, Hitzelrode und Jestädt haben heute den Gottesdienst in der Kirche Grebendorf gestaltet. Es ist quasi ihr letzter Gottesdienst vor der Konfirmation Anfang April – am 3. April in Jestädt und am 10. April 2016 in Grebendorf.

Die Freuden des Feierns, des Chillens, des Abhängens ohne sich zu langweilen – mit oder ohne Alkohol; sich zu vergnügen ohne gleich "voll zu sein"; Spaß geht doch auch ohne Alkohol... Ein schwieriges Thema haben sich die Konfirmandengruppen da ausgesucht. Ein Thema, das in zwei Sätzen nicht gesagt ist. Egal mit welchem guten Vorsatz man hier auch herangeht. Die Wirklichkeit sieht immer anders aus und keine Situation (wann zu welchem Zeitpunkt und warum – geschieht es) ist immer gleich. Daher kann es auch keine absolut gültige Regel geben.

Und das wollten die Jugendlichen heute sicherlich auch nicht sagen. Sie haben das Thema einfach in den Mittelpunkt ihres Gottesdienstes gestellt – zum Nachdenken, zum Überdenken, zum Weiterdenken. Hier sind wir alle gefordert: das Elternhaus, die Schule, der Freundeskreis, die Gesellschaft, und das ganze Miteinander in einer sich schnell drehenden Welt.
Diese jungen Konfirmandinnen und Konfirmanden werden ihre Erfahrungen noch machen müssen. Sie werden sie auch machen. Und uns – bleibt ihnen zu wünschen, dass sie sich gelegentlich an ihre eigenen Worte erinnern. Und dann sind sie sicherlich auf einem ganz guten Weg.

Vielen Dank für diesen Gottesdienst.

 

4. März 2016

Weltgebetstags-Gottesdienst in Jestädt

Kuba stand ganz im Zentrum des diesjährigen Weltgebetstages in Jestädt. Unter dem Titel: "Nehmt Kinder auf und ihr nehmt mich auf" – sahen, hörten und schmeckten die Gottesdienst-
besucher den Zauber, der allein schon vom Namen Kuba ausgeht. Einem Land zwischen Palmen, Strand und Plantagen – den Farben der Karibik – dem tropischen Klima bei einem Jahresmittel von durchschn. 31,8 Grad – aber auch einem geknechteten, geschundenen und ausgebeuteten Land. Heute zwischen vielen Interessen zerrieben, wie denen der USA und der Sowjetunion. Das berüchtigte Militärgefängnis der USA, "Bahía de Guantanámo", steht hier sicher Pate.

Der Weltgebetstag ist eine Bewegung christlicher Frauen und aller christlichen Kirchen weltweit. Informiert beten und betend handeln, das stand auch in Jestädt im Mittelpunkt des Gottes-dienstes. Lieder, Gebete, die Sorgen und Hoffnungen teilen – den Nächsten an die Hand nehmen, so wie es auf der Karte zum Weltgebetstages zu sehen war. Der Gottesdienst war bei allem Ernst irgendwie fröhlich und bunt. Miteinander – kann ziemlich anstecken.
Im Paul-Gerhardt-Haus wurde anschließend noch zusammen gegessen und getrunken was viele Hände vorbereitet und mitgebracht hatten; und so mancher Koch- /Köchin – hatte wohl dabei eine kubanische Zunge. Lecker – einfach nur lecker.
Mehr muss man gar nicht sagen. Und "Danke".

Und so schrumpfen wir fröhlich weiter!

Wer den Zeitungsbericht der wr am 29.2., zum Thema "Kirchenkreise werden ab 2020 fusionieren" gelesen hat, dem dürfte gehörig die Spucke weggeblieben sein. Im ersten Schreckensmoment. Im zweiten Moment sieht es dann schon anders aus. Es hat sich abgezeichnet. Es hat sich ange-

kündigt. Und nicht zuletzt sind die Einsparvorgaben und Ziele seitens der Landeskirche eindeutig. Die Reduzierung der Pfarrstellen (schon längst in Umsetzung), die Kosten-Nutzen-Analyse zu Kirchen und Gemeindehäusern, der Aspekt des demographischen Wandels in unserer Gesellschaft (natürlich) wie die Kirchenein- oder Austritte und die sonstigen Problemfelder inner-

halb und außerhalb der Kirche. 

Das hat alles nichts mehr mit Glauben zu tun, sondern mit Zuhören. Und da sind die Worte von Dekan Dr. Arnold nicht sehr tröstlich wenn er sagt: "Uns ist es wichtig, dass wir den Zusammen-schluss selbst gestalten können und wir nicht sozusagen "von oben" gestaltet werden."

Herr Dekan Arnold, wo kommt das Diktat der Einsparung denn her? – wenn nicht von oben!

 

(Bernd-Dieter Hampel)

Der Deutschunterricht ist gut angelaufen

Seid gut zwei Monaten oder etwas mehr wohnt nun eine afghanische Familie in Jestädt im Schloss. Und was anfangs vielleicht noch spannend war, weil das Thema Flüchtlingszuzug einfach in aller Munde war (und wie man im Lande sieht – noch immer ist, nur anders) – so hat sich das hier im Ort eher unbemerkt normalisiert. Ab und zu radelt einer der Neubürger vorbei. Kommt vom Einkauf. Oder sitzt auf dem Anger. Vor der Kirche. Und in der Begegnung grüßt man sich wie jeden anderen aus dem Dorf auch. Fast, es fehlt noch das ausgiebige Gespräch.

 

Nahezu unbemerkt ist auch der Deutschunterricht für die Afghanen angelaufen. Ein Stamm Ehrenamtlicher betreut und unterrichtet die Familie. Dabei geht es laut zu. Lebhaft zu. Je nach Mentalität und Thema des Unterrichtsstoffes wohl. Aber schön, das es so angenommen worden ist. Denn selbstverständliches ist es nicht – von keiner Seite. 

 

Begrüßungsgottesdienst der neuen Konfirmandengruppen

31 oder 32 Jungen und Mädchen stellen die neue Konfirmandengruppe aus ganz Meinhard. Sie werden künftig mit Pfrin Jutta Groß, Pfrin Iris Hocke und Pfarrer Rainer Koch durch ein Jahr Konfirmandenarbeit gehen; sie werden sich mit dem Glauben, der Gemeinde, der Kirche, der Bibel – und mit sich selber auseinandersetzen. Aus-ein-ander-setzen – vielleicht im wortwörtlichen Sinne. Genau genommen sind es auch keine Kinder mehr. Es sind Jugendliche. Heranwachsende. Voller Ja(-s) und Nein(-s). Voller Höhen und Tiefen. Ein ziemlich spannen-des Alter.

Für das Konfirmandenjahr braucht es ein Rüstzeug. Ein Startpaket. Und so haben die Konfirman-

den auch vorab eine Tasche gefertigt, farbig gestaltet, mit den für sie wichtigsten Symbolen. Mit einer Lutherrose, mit einer Friedenstaube, mit einem Kreuz, Herz, mit Fischen oder dem Zeichen Pax Christi. Und in diese Tasche kamen von Pfarrer Koch und von Iris Hocke jeweils eine Bibel und eine Konfermappe. Und mit Gottes Schutz und Segen und mit dem Vertrauen auf ihn – sollten diese jungen Menschen gut gerüstet sein.
Vom Kirchenvorstand sprach Lektor Hagen Strieb seine guten Wünsche für ein gutes Konferjahr aus, und verknüpfte dies gleich mit dem praktischen Hinweis zum Gebrauch der Tasche: Bitte ein-

mal auf Links drehen und bügeln..., damit die Farben auf der Tasche auch halten.

Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit... So werden am Ende des Gottesdienst auch die Eltern, Verwandten und Freunde gedacht haben. Diesen jungen Menschen bleibt alles Gute zu wünschen. Gottes guten Geist – und unsere Hilfe als Gemeinde.

 

Was ein Küster alles sieht

Küster zu sein – ist nicht nur eine schöne Aufgabe, sie kann auch total spannend sein.

Beim Abräumen des Weihnachtsbaumes in schwindelnder Höhe, fiel mein Blick auf den Altar. Fast nackt. Ohne Altartuch, Kerzen oder Antependium. Und da wurden meine Augen plötzlich ein bisschen größer. Auf dem Altarstein waren eindeutig zwei Kreuze zu sehen. Das eine Kreuz ganz am Rand des Steines. Klein. Das andere Kreuz größer, auch in anderer Form, und es reichte über den gesammten Altarstein. Diese kleine Entdeckung sieht man in den Bildern unten. Und zum besseren Sehen, habe ich die Konturen nachgezogen.

Das kleinere Kreuz – scheint ein Wiederholtes Kreuz oder Wiederkreuz zu sein. Eine Vervielfachung des lat. Kreuzes, ein Motiv aus vorchristlicher Zeit und vermutlich ein Symbol der fünf Wundmale Christi. An den vier Enden der Erde ist das Zeichen des Kreuzes aufgerichtet (Verlag G.D.Callwey; Schrift und Symbol). In der Sinnzeichenlehre wird das Wiederkreuz auch "Deutsches Kreuz" genannt.

Das größere Kreuz – ein Tatzenkreuz, Templer oder Kanonenkreuz? Es verläuft mit einem Band bis an den Rand des Altares, was sich aber im Sinn? nicht erschließt. Auch hier habe ich die Konturen einmal nachgezeichnet. Sehr spannend. Warum ist das so? Und dann drängt sich auch gleich die Frage auf: woher stammt der Altar in seiner Gesamtheit? Stammt er aus dem Vorgängerbau der Kirche, ist der Altarkopf älter als der Unterbau und wenn ja, wo war der steinerne Aufsatz vorher – und... was war er?

Ein kleines Rätsel. So spannend kann Kirche sein. Für einen Küster

(Bernd-Dieter Hampel) 

Neue Diakonie-Botschafter kommen aus Neuerode

Die beiden neuen Pflegebotschafter: Hannelore Kretschmer und Hannelore Degenhardt, Neuerode
Die neuen Pflegebotschafter

Gemeinsames Engagement im Umfeld von Pflege

 

Und das sind die neuen Pflegebotschafter:

Hannelore Kretzschmer und Hannelore Degenhardt aus Neuerode. Beide sind im Kirchspiel Meinhards bestens bekannt. Sie sind ansprechbar, wenn es um Fragen rund um die Pflege geht, speziell auch um Entlastungsmög-

lichkeiten für pflegende Angehörige.

 

Im Rahmen des Modellvorhabens "Gemeinsames Enga-

gement im Umfeld von Pflege (Getup)" hat die Evang. Familienbildungsstätte-Mehrgenerationen-

haus Werra-Meissner in Kooperation mit dem Diakonischen Werk Eschwege / Witzenhausen ein Projekt zur Stärkung pflegender Angehöriger entwickelt. Das „CARE-Paket für pflegende Ange-

hörige" stellt die Lebensqualität und Gesundheit pflegender Angehöriger in den Fokus und möchte durch Information, Entlastung und Erholung dazu beitragen, diese zu verbessern.
In einem ersten Schritt wurde eine Qualifizierung zu Pflegebotschaftern im Februar 2015 angebo-

ten, die von rund 20 interessierten Personen in Anspruch genommen wurde. Die Pflegebotschafter wurden über Angebote für Pflegende Angehörige informiert, damit sie diese in ihren Orten / in ihren Gemeinden weitergeben können.

 

Das "CARE-Paket für pflegende Angehörige" nahm auch an der Ausschreibung des Sozial-

preises "innovatio 2015" teil und wurde unter die ersten 10 von 160 Projekten gewählt.
"Pflegepaten helfen den pflegenden Angehörigen dabei, sich kleine Auszeiten zu nehmen und auch mal an sich zu denken. Die Qualifizierung der Pflegepaten wird als Zusatzmodul der Quali-fizierung "Freiwilligen Senioren- und Demenzbegleitung" angeboten", so die Kurzbeschreibung des Projektes auf den Seiten von Innovatio (innovatio-sozialpreis.de).

 

Einen Kurzfilm zum Projekt, mit Frau Degenhardt und Frau Kretzschmer, finden Sie unter www.diakonie.de/innovatio-2015-care-paket-fuer-pflegende-angehoerige-16700.html

Weihnachten in der Jestädter Kirche 2015

Was wäre Weihnachten ohne Tannenbaum und Lichterglanz. Was wäre Weihnachten ohne ein Krippenspiel. Was wäre Weihnachten ohne Schnee und klirrende Kälte. Was wäre Weihnachten ohne volle Kirche und dem Gesang – "Herbei o ihr Gläub'gen, fröhlich triumphieret, o kommet, o kommet nach Bethlehem!". Wir hatten alles. Fast alles.

 

Die Kinder haben geprobt und ihre Texte einstudiert. Zappelnde Beine und Engelskleider mit und ohne Flügel. Maria und Josef und das Christuskind. Ein schönes Krippenspiel – wie immer und wieder ganz anders. Auf den Gesichtern der Gemeinde und aller Mitwirkenden ruhte ein Strahlen. Und von der Empore erschall unsere Orgel mit weihnachtlichem Klang. Und als das Licht in der Kirche erlosch und "O du fröhliche, o du selige..." gesungen wurde, da wurde es gänzlich Heilig Abend – in den Herzen und in den Gedanken eines jeden. Die Christmette in der Nacht war begleitet vom Flötenspiel und der Orgel – und draußen war es dunkel und hell zu gleich. Vollmond. Das gab es wohl vor 40zig Jahren zum letzten Mal.

Weihnachten ist mit dem Heilig Abend, dem 1. und 2. Christtag – aber natürlich nicht vorbei. Die Weihnachtszeit geht genau genommen vom Heilig Abend bis zum Sonntag nach dem 6. Januar. Die Zeit vom 1. Advent bis Heilig Abend bezeichnet man als Adventszeit (als Vorbereitungszeit). Nach dem 6. Januar schließt sich die Epiphaniaszeit an. Sie beendet den Weihnachtsfestkreis. Früher feierte man die Weihnachtszeit bis zum 2. Februar – Fest Lichtmess. Darstellung des Herrn. Deshalb steht auch an ganz vielen Orten die Krippe und so mancher Weihnachtsbaum bis zu diesem Datum. Und nun wünschen wir – schöne Weihnachten.

 

4. Advent und 40 Jahre Paul-Gerhardt-Haus

Wir sagen euch an den lieben Advent. Sehet, die vierte Kerze brennt! Gott selber wird kommen,
er zögert nicht. Auf, auf, ihr Herzen, und werdet licht! Freut euch, ihr Christen, freuet euch sehr!
Schon ist nahe der Herr.

Der 4. Adventssonntag stand nicht nur im Zeichen von Weihnachten, Krippe und der Geburt Jesu Christi – an diesem Sonntag haben wir auch auf 40 Jahre Paul-Gerhardt-Haus geblickt. Auf den Bau unseres Gemeindehauses, des Pfarrhauses – und auf große und kleine Geschichten rund um den Abriss des (alten) Pfarrhauses. Es war eine Zeitreise zurück zu Pfarrer Paul Weisheit, zu den Gemeindegliedern, und zu einem mutigen Bauvorhaben. Geschmack und Stil sind immer das Eine, zukunftsorientiert und vorausschauend zu planen – das Andere. Heute leben wir in einem Gemeindehaus, dass sich sehen lassen kann und funktional noch immer up to date ist. Vielleicht würde man es heute auch crass oder cool nennen...?

 

Paul Gerhardt, 1607 geboren und in schwerer Zeit aufgewachsen, fand Stärke und Schutz im Glauben. Als Dichter, Lyriker, Lehrer, Seelsorger und Theologe – war Gerhardt sicher mehr durch seine tief-religiösen Kirchenlieder bekannt. "Die güldene Sonne..." oder "Nun ruhen alle Wälder..." oder Weihnachtslieder wie – "Ich steh an deiner Krippen hier..." und "Fröhlich soll mein Herze springen..." Paul Gerhardt will mit seinen Liedern Mut und Vertrauen in eine persönliche Fröm-

migkeit wecken. Bei Luther ruft die Gemeinde zu Gott. Bei Gerhardt spricht der Einzelne. Paul Gerhardt starb 70jährig im Mai 1676 in Lübben (Dahme-Spreewald, Land Brandenburg).

 

Pfarrer Paul Weisheit schrieb im Sonderbrief zur Einweihung des Ev. Gemeindehauses Jestädt: Wir nennen unser Gemeindehaus nach Paul Gerhardt, weil seine Lieder uns heute wie morgen wichtige Glaubenserfahrungen vermitteln. Auch für Paul Weisheit war Gerhardts fester Glauben "Halt und Orientierung" in seinem Leben.

 

Mit einem alten Super 8-Film und einem O-Ton von Martha Kahlfeldt endete der Gottesdienst in der
Jestädter Kirche. Im Paul-Gerhardt-Haus traf man sich zu Kaffee und Kuchen, zu Gesprächen und
Geschichten von Gestern und Heute. So, wie es bei einem Jubiläum immer ist.
Danke an alle die da waren. Danke an alle helfenden Hände vor und hinter der Bühne und den Spenden in jeglicher Form. Und ein Dank an Christoph Weisheit für das Zeitdokument in Film und Ton. Wer gerne noch im alten Gemeindebrief von 1975 lesen möchte, hier ist ein Link zum PDF.

 

Krippenspiel Frieda in der Hessenschau

Holger Weinert, Moderator der Hessenschau, war mit einem Filmteam am Samstag in Frieda und hat Ausschnitte aus dem Krippenspiel mit Flüchtlingen und ein Kurzportrait der Flüchtlingsfamilie Abasi aufge-

nommen. Der hr sendet die Aufzeichnung am 1. Weihnachtsfeiertag um 19.30 Uhr im hr-Fernsehen.

Adventsandachten auf dem Jestädter Anger

 

Noch fällt uns der Gedanke an Weihnachten schwer. Das Wetter in diesem Dezember ist alles andere als Weihnachtlich. Die Weihnachtsmärkte, die Geschäfte und Einkaufspassagen der Stadt, die Lichter und die Musik – alles erwärmt uns noch nicht so richtig. Der weltweite Terror in den letzten Wochen, die vielen Fragen zur Flüchtlingskrise, und unsere eigene Geschäftigkeit, lassen die Vorfreude auf Weihnachten noch nicht aufkommen.

Vielleicht braucht es einen rettenden Engel.

Engel gehören zu Weihnachten. Engel beschützen und Engel verkünden – und so erzählte Pfarrerin Jutta Groß auch von einem einem kleinen Engel in ihrem Wort zur Andacht. Der kleine Engel... – aber ich weiß nicht mehr genau wie die Geschichte ging. Aber sie war ziemlich ähnlich dieser Geschichte: – Ein großer, weiser Engel saß auf einer Wolke und schaute stumm auf die Erde herunter. Plötzlich flog ein Engelkind vorbei und setzte sich zu ihm auf die Wolke."Hey Du, warum guckst Du denn Löcher in die Luft?", fragte das Engelchen keck. Der weise Engel schmunzelte. "Ich starre keine Löcher in die Luft, ich warte, mein Kind, ich warte", sagte der weise Engel leise.

"Worauf wartest Du denn?", fragte das Engelkind ungeduldig und flog in kleinen Kreisen um den großen Engel herum. "Ich warte darauf von einem Menschen gebraucht zu werden", sagte der große Engel. "Von einem Menschen...?" Davon hatte der kleine Engel noch nie etwas gehört. Neugierig setzte er sich wieder neben den großen Engel und bat ihn, ihm doch mehr zu erzählen.


"Schau kleiner Engel, das ist so: Normalerweise brauchen uns die Menschen da unten nicht. Sie leben ihr eigenes Leben - oft glücklich und zufrieden, mit großen und mit kleinen Sorgen. Aber immer mal kommt es vor, dass ein Mensch unseren Schutz und unsere Hilfe braucht", erklärte ihm der große Engel. – "Aber wie", fragte der kleine Engel, "erfährst Du, dass man Dich braucht?" "Das spüren wir dann", gab der große Engel zur Antwort. "Sobald ein Mensch in Not ist und meine Hilfe braucht, fängt mein linker Flügel an zu zucken. Dann weiß ich, dass ich mich auf den Weg machen muss", sagte der große Engel.

In dieser Nacht schlief der kleine Engel schlecht. Es beschäftigte ihn sehr, was ihm der weise Engel von den Menschen erzählt hatte. Unruhig wälzte er sich unter seiner flauschigen Wolldecke hin und her, als er plötzlich ein ganz eigenartiges, ungewohntes Zucken im linken Flügel verspürte. Das Engelkind konnte kaum glauben, dass nun seine Zeit zu helfen gekommen schien. Mit einem Lächeln im Gesicht und großer Vorfreude machte er sich auf den Weg zur Erde ...

Ja – und in unserer unruhigen Zeit können wir weiß Gott einen Engel gebrauchen.
Oder wir werden selbst zu kleinen Engeln.

Auf dem Anger gab es nach der Andacht noch Tee, Punsch und Plätzchen – und Zeit für kurze Gespräche. Und so wurde es doch noch etwas Weihnachtlich.Und weil es so schön war, laden wir herzlich ein zur nächsten Andacht am Donnerstag den 17. Dezember um 19 Uhr. Auf den Anger – sofern das Wetter wieder mitspielt. Sonst – in der Kirche.

 

St. Martin – Gottesdienst und Laternenumzug in Jestädt

16. November 2015
Das war ein Strömen von kleinen und großen Gottesdienstbesuchern. Ein nicht enden wollender Zug von Kindern, Müttern, Vätern, Onkeln, Tanten, Großeltern, vielleicht auch Freunden – und Kinderwagen noch und noch und ohne Ende. Ein Fest für Augen und Ohren – und unsere Kirche barst schier auseinander.

Der Kindergarten "Sonnenschein" aus Frieda, unter der Leitung von Frau Bullmann, hatte alle Kinder zusammengetrommelt – und mit den Mitarbeiterinnen und den Kindern zusammen ein Martinsfest veranstaltet, dass ich so noch nicht erlebt habe. So bunt. So lebhaft. So stimm-gewaltig. Eigentlich kaum zu beschreiben. Man muss es erlebt haben. Die Kinder sangen Lieder, begleitet an der Gitarre... – führten ein Rollenspiel mit St. Martin auf, wie er seinen Mantel mit den Armen teilt... – es wurden Lebensmittel zusammengetragen, die später der Eschweger Tafel überreicht werden... – und Jutta Groß versuchte zu beten, zu predigen, und ihren Dank auszu-

sprechen, was in der übervollen Kirche fast nicht möglich war. Ein Gottesdienst ohnegleichen.
Am Ende zogen Kinder und Eltern singend und mit viele Laternen in die Nacht hinaus. Durch die Straßen von Jestädt, bei Regen, und zum Dorfgemeinschaftshaus. Ob dort noch gegrillt wurde, weiß ich jetzt nicht genau. Ich war noch lange ganz benommen von diesem Ereigniss. Es war einfach beispiellos. Unter den Gottesdienstbesuchern waren übrigens auch unsere neuen Mitbe-wohner, die afghanische Familie aus dem Schloss und ich hoffe, es hat ihnen gefallen.

Dem gesammten Team aus dem Kindergarten Frieda kann man nur ein dickes Danke sagen.

 

Bernd Hampel 

 

Die Bilder – nicht ganz so toll, aber einen Eindruck bekommt man doch.